BASISKURS PART IV: Das Überarbeiten

Willkommen  zurück zum vierten und damit vorletzten Modul meines neuen Schreibkurses: SCHREIB DEIN BUCH – Basiskurs mit Nina Hirschlehner. Das letzte Mal haben wir uns mit dem Thema „Schreiben“ befasst. Und was folgt nun mal auf das Schreiben? Richtig: Die Überarbeitung. Ein leidiges Thema für jeden Autor. Worauf du beim Überarbeiten deiner Geschichte achten solltest und wie du das Ganze ein wenig angenehmer gestaltest, erfährst du im heutigen Seminar!

Die Themen im Überblick:

  • Warum das Überarbeiten so wichtig ist
  • Reicht einmal drüberlesen?
  • 1. Überarbeitung: Der Inhalt
  • 2. Überarbeitung: Dein Schreibstil
  • Deine „Lieblingsfehler“
  • So wird das Überarbeiten angenehmer

Warum das Überarbeiten so wichtig ist

Wer schon einmal ein Buch geschrieben hat, versteht mich bestimmt: Es gibt kein besseres Gefühl für mich als Autor, als ein Buch zu beenden. Man ist stolz auf das, was man geschaffen hat und kann es kaum erwarten, bis sein Werk für Leser zugänglich ist. Doch dann holt einen die Realität ein und man bemerkt, dass das Buch ja noch gar nicht wirklich fertig ist. Mist. Jetzt geht’s ans Überarbeiten. Denn wer A sagt, muss auch B sagen. Das Überarbeiten ist ein genauso großer Teil des Autorenlebens wie das Schreiben – wenn nicht sogar ein größerer.

Zumindest was mich betrifft, ist es so. Es fordert eine Menge Zeit und  Konzentration, weshalb es bestimmt nicht zu meinen Lieblingsaufgaben gehört. Doch wie gesagt: Es MUSS sein. Man könnte nun argumentieren, dass, wenn man mit einem Verlag veröffentlicht, dieser das Lektorat und das Korrektorat übernimmt. Aber diesen Einwurf kann ich leider nicht akzeptieren. Denn ohne Überarbeitung ist dein Buch nur halb fertig. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Verlag eine unausgereifte Geschichte möchte, ist schwindend gering. Es bleibt also nicht aus.

Das Schreiben ist ein langer Prozess. Oft sitzt man Monate an einem Buch – und das auch mit langen Pausen. Man kann nicht alles im Kopf behalten. So geschieht es schnell, dass sich inhaltliche Fehler einschleichen. Mal ganz abgesehen von den Tippfehlern und den Wortwiederholungen. Beim Überarbeiten wird dir vieles auffallen, das du bisher übersehen hast. Vielleicht wirkt die Handlung beim Schreiben noch logisch, aber beim Überarbeiten wird dir dann klar, dass das alles gar nicht passt.

So unangenehm es auch ist, die Überarbeitung lässt sich nicht vermeiden. Zumindest nicht, wenn du das Beste aus deiner Geschichte machen willst. Und das wollen wir doch alle, oder?

Reicht einmal drüberlesen?

Ist das eine Fangfrage? Natürlich lautet die Antwort: Nein. Das Überarbeiten ist ein wichtiger Schritt und kann nicht übersprungen werden. Zudem musst du viel Konzentration reinstecken. Persönlich würde ich dir sogar raten, zwei Durchgänge zu machen. Einen, in dem du dich lediglich auf den Inhalt konzentrierst, und einen, bei dem der Fokus auf deinem Schreibstil liegt. Beides in einem Durchlauf zu machen, ist sehr anstrengend und kann dazu führen, dass du ungenau arbeitest. Dann war alles umsonst. Wenn du also etwas machst, dann richtig!

Das Überarbeiten nimmt viel Zeit in Anspruch. Bei ausführlichen Projekten schaffe ich lediglich 2-3 Kapitel am Tag. Danach ist meine Konzentration aufgebraucht und ich muss etwas anderes machen. Lass dich nicht dazu verleiten, dich zu hetzen. Denn dabei entstehen Fehler, und die Überarbeitung ist eigentlich dazu da, diese auszumerzen.

1. Überarbeitung: Der Inhalt

Mal angenommen, du sitzt nun vor deinem fertigen Manuskript. Du hast die Geschichte fertig geschrieben und erst mal ein paar Tage ruhen gelassen. Das ist wichtig, um etwas Abstand zur Geschichte zu bekommen. Oft sitze ich am PC, lese die Geschichte und denke dabei: „Kenn ich schon! Ich weiß ganz genau, was in diesem Kapitel passiert.“ Man hat alles genau im Kopf und überliest Fehler schnell mal. Darum sollte man das Manuskript erst mal liegen lassen, und erst nach einer gewissen Zeit mit der Überarbeitung starten.

Ein paar Tage später kann es dann losgehen. Aber wie fange ich nun zu Überarbeiten an und was muss ich beachten? Ich habe mir mal ein Schema erstellt, das ich immer nutze, wenn ich eine Geschichte überarbeite. So weiß ich immer, auf was genau ich achten muss. Dabei unterscheide ich zwischen inhaltlichen und stilistischen Fehlern. Meine wichtigsten Punkte, was den Inhalt betrifft, sind folgende:

  • Das Aussehen der Charaktere. Achte darauf, dass die Personen immer gleich beschrieben werden. Es darf nicht passieren, dass die Protagonistin in einer Szene grüne Augen hat und in der nächsten blaue. Genau deshalb haben wir ja zuvor den Charakterbogen ausgefüllt. Sieh zu, dass du hierbei keine Fehler machst!
  • Die zeitliche Abfolge. Das ist für mich ein sehr wichtiger Punkt. Sieh dir mal deinen Zeitstrahl genau an. Wie viele Minuten, Tage, Wochen liegen zwischen deinen Kapiteln? Wird auch nichts Wichtiges übersprungen?
  • Wer kennt welches Geheimnis? Besonders bei Reihen kann dieser Punkt zum Verhängnis werden. Oft gibt es viele Geheimnisse, die erst nach und nach aufgedeckt werden. Dabei kann man schnell mal durcheinanderkommen. Schreib dir also beim Überarbeiten auch auf, wann wer was erfährt!

Ich würde dir überhaupt raten, beim Überarbeiten ein Stück Papier neben dir liegen zu haben. Sobald dir etwas auffällt, das dir wichtig erscheint, schreib es auf. Egal, ob du es später noch brauchst oder nicht. Vielleicht ist es ein kleines Detail, das du später noch einmal verwenden kannst. Dadurch wirkt deine Geschichte durchdachter.

2. Überarbeitung: Dein Schreibstil

  • Die Kapitelanfänge. Pass auf, dass nicht jeder Satz eines neuen Kapitels gleich beginnt. Das gleiche gilt auch für Satzanfänge. Nicht jeder zweite Satz sollte mit „Ich“ beginnen.
  • Wortwiederholungen.
  • Kürze den letzten Absatz! Diesen Tipp habe ich dir schon einmal zum Thema „Spannung erzeugen“ gegeben. Ein langer letzter Absatz kann oft die Luft rausnehmen. Sieh also zu, dass er kurz und prägnant ist!
  • Streiche rhetorische Fragen! Etwas, an das ich mich selbst auch immer wieder erinnern muss. Es passiert mir so oft, dass ich rhetorische Fragen einbaue, dabei sollte man damit sparsam umgehen.
  • Streiche unnötige Füllwörter. Diese sind oft nur da, um den Satz in die Länge zu ziehen. Ein Beispiel, das ich viel zu oft verwende: eigentlich. Solche Wörter solltest du rausschmeißen, sie stören den Lesefluss. Der Satz ist ohne sie besser dran!
  • Vermeide zu verschachtelte Sätze. Wo wir schon beim Lesefluss sind: Zu verschachtelte Sätze werden ebenfalls als störend empfunden. Vielleicht kannst du sie ja etwas vereinfachen oder in zwei Teile brechen.
    Ich persönlich schreibe mit Papyrus Autor. Da gibt es die Möglichkeit, die Lesbarkeit vom Programm überprüfen zu lassen. Wenn er sich unangenehm verfärbt, weiß ich, dass ich da was machen muss. Du brauchst aber kein großartiges Programm, um deine Sätze zu kürzen. Du musst bloß darauf achten! Wenn du das einmal bewusst wahrnimmst, wird es dir auch bestimmt bei jedem Überarbeiten auffallen.
  • Kommt jeder Charakter oft genug zu Wort? Das gilt, wenn du aus mehreren Perspektiven schreibst. Wenn überwiegend aus der Sicht von Charakter A geschrieben wird, dann können Einschübe von Charakter B als störend empfunden werden. Das liegt daran, dass sich der Leser an den Lesefluss gewöhnt. Wenn dann plötzlich etwas anders ist, wird das oft als unangenehm empfunden. Also sorge dafür, dass ein ausgewogenes Verhältnis vorliegt.
  • Fehler, die du am häufigsten machst. Die sind bei jedem Autor unterschiedlich. Vielleicht sind es „das/dass“-Fehler – oder aber Füllwörter, die du zu oft verwendest. Ich nenne das die „Lieblingsfehler“.

Deine „Lieblingsfehler“

Beim ersten Buch wird dir das noch nicht bewusst sein, aber für jeden Autor gibt es Fehler, die er immer und immer wieder macht – Lieblingsfehler. Einer meiner „Lieblingsfehler“ ist zum Beispiel die Sache mit dem Magen. Was ich damit meine? Meine Protagonisten Cat aus „The Last Desire“ kann davon ein Lied singen. Passiert etwas Spannendes oder Nervenaufreibendes, spürt sie das sofort im Magen. („… Mein Magen zog sich zusammen. …“) Das kann den Leser schnell nerven, darum solltest du solche Wiederholungen besser vermeiden.

Dann gibt es bei mir noch diese Ausdrücke, die für uns Österreicher gang und gäbe sind – bei Deutschen aber für Verwirrung sorgen. Als Beispiel habe ich da meine Lieblingsphrase für dich mitgebracht: „Es geht sich nicht aus. (Bedeutet: Es passt nicht. Die Parklücke ist zu klein, ich passe mit meinem Auto nicht hinein → Es geht sich nicht aus.)“ Diesen kleinen Satz kann man in absolut jeder Lebenslage verwenden, aber in Deutschland komme ich damit nicht weit (was ich immer wieder verwunderlich finde.) Also muss ich darauf achten, ihn nicht in einem Buch zu verwenden.

Zu meinen Lieblingsfehlern gehören auch die Füllwörter, die ich oben bereits erwähnt habe. So etwas wie eigentlich, überhaupt, total und ähnliches können ohne Bedenken rausgestrichen werden.

Lieblingsfehler können aber auch einfach Wörter sein, die man immer falsch schreibt. Ich schreibe zum Beispiel oft „zuhause“ statt „zu Hause“. Achte einfach mal beim Lesen darauf, welche Fehler öfter vorkommen. Dann weißt du das nächste Mal schon, worauf du achten musst.

So wird das Überarbeiten angenehmer

Schon alleine das Wort „Überarbeitung“ löst in mir ein unangenehmes Gefühl aus. Es ist anstrengend und nervenaufreibend. Aber es gibt ein paar Möglichkeiten, um sich diese Aufgabe angenehmer zu gestalten. Meine Toptipps habe ich hier für dich zusammengestellt:

  • Pausen machen. So simpel es auch klingt. Das ist, denke ich, der wichtigste Punkt auf meiner Liste. Wer durchgehend arbeitet, wird merken, wie die Konzentration sinkt. Und nicht nur das. Sich selbst zu hohe Ziele zu stecken, kann oft frustrierend sein.
    Kennst du die „50/10“-Regel? Die besagt, dass du keinesfalls den ganzen Tag verplanen sollst. Es kann immer etwas Unvorhersehbares daherkommen. Und dann? Dann ärgerst du dich, weil du dein Tages-/ Wochenziel nicht erreichen konntest. Also lass es langsam angehen und beuge diesem Ärger vor. Verplane nicht die ganze Zeit, die dir zur Verfügung steht! Probier es mit der „50/10“-Regel und plane bewusst Pausen ein. Du wirst sehen, das bewirkt Wunder!
  • Notizen machen. Noch einmal: Wenn du das Manuskript von vorne nach hinten überarbeitest, kann ich dir nur empfehlen, mitzuschreiben! Oft kommen Kleinigkeiten vom Anfang später noch einmal vor. Dann sitzt man da und grübelt. Wie war das noch mal? Bevor du dich dann auf die Suche machst und vielleicht doch noch etwas übersiehst, schreib dir eine kleine Notiz! Sobald du merkst, dass das eine Sache ist, die später noch einmal eine wichtigere Rolle einnimmt, schreib sie auf. Es reicht eine kleine Notiz – „Kap. 7: so und so.“ Das ist nicht viel Aufwand, erspart dir aber jede Menge Arbeit. Das kann ich dir versichern!
  • Ausreichend trinken. Nicht nur wichtig für den Körper, sondern auch für die Denkleistung. Wenn du beim Überarbeiten nicht genug trinkst, kannst du schnell Kopfschmerzen bekommen oder dich erschöpft fühlen. Sorg dafür, dass immer ein Glas Wasser (gegebenenfalls mit Zitrone oder Melisse oder Verdünnsaft, was du auch magst) auf deinem Tisch steht. Am besten auch noch mit Strohhalm, das animiert gleich doppelt, einen Schluck zu nehmen!
  • Mach das Fenster auf! Luft. REINE LUFT. Mein Geheimtipp in jeder Situation. Du wirst sehen, du kannst viel besser arbeiten, wenn der Raum voller Frischluft ist!