Die „The Last Desire“-Woche | Tag 2

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Ich öffnete die Augen. Das grelle Sonnenlicht brannte schmerzhaft, sodass ich sie schnell wieder schloss. Mein Kopf schmerzte stärker als je zuvor. Ein paarmal atmete ich tief durch. Mein gesamter Körper fühlte sich wund an. Mein Rücken schmerzte, meine Stirn pochte und von dem furchtbaren Ziehen in meinem Magen wollte ich gar nicht erst anfangen.

Vorsichtig wagte ich einen weiteren Blick. Ich öffnete erst ein Auge, dann das zweite. Das Sonnenlicht brannte immer noch furchtbar. Aber mittlerweile konnte ich schon mehr erkennen. Die grellen Strahlen drangen durch Äste und Blätter. Das war nicht der Ausblick, den ich von meinem Zimmer gewöhnt war.

Meine Finger tasteten den Grund unter mir ab. Anstelle weicher Laken spürte ich eisiges, nasses Gras, Steine und Laub. Ich schnellte hoch, auch wenn das nur wieder einen heftigen Schmerz durch meinen Schädel jagte. Benommen sah ich mich um und strich mir dabei das Haar aus dem Gesicht. Ich befand mich in einem Park und hatte keine Ahnung, wie ich hierher gekommen war. Das Letzte, woran ich mich erinnern konnte, war –

Ich hatte keine Ahnung, woran ich mich erinnern konnte. Bestimmt nicht daran, in den Park gegangen zu sein. Vorsichtig rappelte ich mich auf und versuchte, Halt zu finden. Ich klammerte mich an einen Baum und ließ den Blick durch die Gegend wandern. Es musste noch sehr früh sein. Ich konnte keine Menschen erblicken. Behutsam strich ich mein Kleid glatt, das Flecken von der nassen Erde abbekommen hatte.

Mein Magen knurrte wie verrückt. Ich musste schnell nach Hause und etwas essen. Aber ich kam nicht weit. Ich hatte gerade ein paar Schritte hinter mich gebracht, als auch schon ein Mädchen vor mir auftauchte. Es hatte langes, weißes Haar. In den Armen trug es ein mit Wasser gefülltes Goldfischglas. Der Ausdruck auf dem Gesicht des Mädchens war ernst.

„Zum Internat geht es in die andere Richtung.“

Verwirrt legte ich die Stirn in Falten. „Ich will nicht ins Internat“, erklärte ich. „Ich will nach Hause.“

Ich wollte einen Bogen um das Mädchen machen, aber das ließ es nicht zu. Es machte einen schnellen Schritt zur Seite, wobei das Wasser in ihrem Glas fast überschwappte. „Doch, du willst ins Internat. Glaub mir. Dort kann man dir helfen.“

„Ich brauche keine Hilfe“, stellte ich klar, auch wenn das nicht ganz der Wahrheit entsprach. Immerhin hatte ich keine Ahnung, was mit mir passiert war. Aber ich war mir sicher, dass ein Internat für reiche Kinder mir da auch nicht weiterhelfen konnte.

„Wie du meinst.“ Das Mädchen machte einen Schritt zur Seite. „Aber sag später nicht, ich hätte dich nicht gewarnt. Für den Fall, dass du es dir anders überlegen solltest, mein Name ist Layla.“

Ohne zu antworten, marschierte ich weiter. Ich wollte so schnell wie möglich nach Hause und mich umziehen. Mein Körper fühlte sich völlig erfroren an. In der Ferne konnte ich eine Gestalt entdecken, die mir entgegenkam. Auch wenn ich den Blick stur zu Boden gerichtet hatte, spürte ich doch, dass die Person mich anstarrte. Und das nicht gerade unauffällig.

Ganz automatisch blieb ich stehen, als die Frau an mir vorbei war. Mein Blick wanderte an mir herab. Zugegeben, ich war schmutzig und sah vermutlich ein wenig fertig aus. Aber das war kein Grund, so zu starren. Es sei denn, da war noch mehr.

Vorsichtig tastete ich meine Haare und mein Gesicht ab. So weit schien alles normal zu sein. Meine Hände wanderten weiter bis zu meinem Hals und ich erstarrte, als ich plötzlich etwas Feuchtes spürte.

Ich schluckte. Rote Flüssigkeit klebte an meinen Fingern als ich sie betrachtete.

Vielleicht sollte ich doch im Internat vorbeischauen.