Die wörtliche Rede in Büchern

Willkommen zurück! Ich freue mich, dass ihr wieder da seid!

Vielleicht habt ihr ja schon meinen gestrigen Beitrag „Wie schreibe ich eigentlich ein Buch“ gelesen. Im Februar dreht sich hier nämlich alles um das Thema SCHREIBEN FÜR ANFÄNGER.Wenn ihr also schon länger mit dem Gedanken spielt, aus eurer Idee ein eigenes Buch zu machen, dann seid ihr hier goldrichtig. Ich erzähle euch von meinen Erfahrungen und gebe euch Tipps, wie ihr euer großes Projekt umsetzt. In den nächsten Tagen bis zum 28.2. erscheint auf meinem Blog jeden Tag ein kleiner Artikel, der euch hilft, euer Ziel zu verfolgen.

Warum das Ganze? Ich kann mich gut daran erinnern, wie es sich angefühlt hat, ganz am Anfang zu stehen. Ich hatte keine Ahnung, wie ich ein Buch schreibe. Ich musste mir alles selbst erarbeiten, und das war alles andere als einfach. Darum dachte ich, es wäre eine gute Idee euch das zu ersparen. Ich habe also meine wichtigsten Tipps und Tricks zusammengepackt und daraus sowohl einen Onlinekurs als auch einen Schreibratgeber (erscheint am 28.2.) zusammengebastelt.

In den nächsten Wochen bis zum Erscheinungstermin könnt ihr meine Ratschläge hier auf meinem Blog mitverfolgen und abtesten, ob ob das Schreiben etwas für euch ist. Denn ich muss ehrlich zu euch sein: Schreiben ist jede Menge Arbeit. Das wird oft unterschätzt. Man setzt sich nicht einfach hin, schreibt das Manuskript runter und dann ist damit Schluss. Es gehört viel mehr dazu. Aber was genau die Aufgaben eines Autors sind, erzähle ich euch in den nächsten Tagen. Heute beschäftigen wir uns mit der richtigen Zeichensetzung bei den wörtlichen Reden.

Wer viel liest, der weiß auch, wie ein Buch von innen aussieht. Trotzdem ist es aus irgendeinem Grund unfassbar schwer, sich daran zu erinnern, wenn man plötzlich vor dem leeren Dokument sitzt. Etwas, das ich bei meinen Kursteilnehmern und meinen Lektoraten immer wieder sehe, ist, dass die Zeichensetzung bei Dialogen scheinbar sehr große Schwierigkeiten bereitet. Dabei ist es doch gar nicht so schwer! Es gibt nur wenige Regeln zu beachten.

Erklärung steht vor der wörtlichen Rede

Sie sagte: „Ich lese heute ein Buch.“

Hier haben wir einen Doppelpunkt, auf den hin die wörtliche Rede folgt. Danach kommt das Anführungszeichen, euer Satz, ein Punkt (bzw. Frage- oder Rufzeichen) und dann noch mal ein Anführungszeichen. Ich hebe die Sache mit dem Punkt hier absichtlich hervor, denn bei meinem nächsten Beispiel sieht das ganze etwas anders aus.

Erklärung steht nach der wörtlichen Rede

„Ich lese heute ein Buch“, sagte sie.

Ihr seht, da steht kein Punkt, sondern ein Komma. Ich sehe so oft, dass so ein Satz mit einem Punkt beendet wird, aber das ist FALSCH. Die einzige Ausnahme: Ein Frage- oder Rufzeichen darf sehr wohl hin.

„Ich lese heute ein Buch!“, sagte sie.

Sätze ohne Erklärung beenden

Man muss  nicht immer ein sagte, dachte, meinte, behauptete hinter den Satz stellen. Es gibt elegantere Lösungen, eine wörtliche Rede zu gestalten. Ein guter Anfang ist es schon mal, nicht immer das Wort sagte zu verwenden, sondern es mit Synonymen zu versuchen.

Ein Beispiel

Ich habe euch ein Beispiel aus meinem Buch „Lass uns Träume sammeln“ mitgebracht. In dieser Szene gibt es einige wörtliche Reden. Ihr werdet sehen, es gibt viele Wege, einen Dialog zu gestalten.

Ich merkte, dass sein Blick an meinem Unterarm entlangwanderte und dabei an dem Tattoo hängen blieb. Er inspizierte die Mondlaufbahn, die darauf abgebildet war.
»Nettes Tattoo«, meinte er.
»Danke.«
»Hat es eine Bedeutung?«
Ich warf ihm einen kurzen Blick von der Seite zu. »Wer würde sich ein Tattoo stechen lassen, das keine Bedeutung hat?«
»Haufenweise Leute.« Punkt für ihn. »Also, raus mit der Sprache. Was hat es mit den Monden auf sich?«
Nervös zupfte ich an meinem Teebeutel. Es war mir unangenehm, darüber zu sprechen. Jamie würde mich nur für verrückt halten, da war ich mir sicher. So war es doch immer schon gewesen. Ich war immer das merkwürdige Mädchen, das an Dinge glaubte, die es nicht gab. An Dinge, die man nicht beweisen konnte.
»Ich mag den Mond eben, okay? Und auch wenn es seltsam klingt, bin ich davon überzeugt, dass er viel mehr Einfluss auf diese Welt hat, als du vielleicht denkst.«
Es war nicht zu übersehen, dass Jamie da anderer Meinung war. Er schien sich ein Lachen nur mit Mühe verkneifen zu können. Hatte ich es doch gewusst: Auch er hielt mich für verrückt. Warum hatte ich ihm auch die Wahrheit gesagt? Warum hatte ich gedacht, er würde anders reagieren, als all die anderen?
»Du glaubst an diesen Quatsch?«
Ich spürte, wie mein Gesicht heiß wurde. Na toll, das hatte ich davon. Ich vertraute ihm etwas an und er lachte über mich. Ich würde es wohl nie lernen. »Und woran glaubst du?«
»Zahlen und Fakten.« Jamie grinste. »Ich glaube an alles, was bewiesen werden kann.«
»Das ist schön für dich.« Ich hoffte, dass damit das Thema beendet war. Ich hatte keine Lust mehr, mich für das rechtzufertigen, woran ich glaubte.
»Aber dir ist schon klar, dass der Mond nichts weiter als eine hässliche, schwarze Kugel ist, oder?«, fragte Jamie und ich fluchte innerlich. Warum konnte er es nicht einfach dabei belassen? »Ich meine, ohne die Sonne wäre er nichts. Er strahlt nur, wenn er von ihr beschienen wird.«
Genervt atmete ich tief durch. »Er hat die Macht, ganze Meere zu bewegen. Können deine Zahlen und Fakten das auch?«
»Nein«, räumte Jamie ein und grinste. »Aber ich würde mir auch niemals eine Gleichung tätowieren lassen.«
Noch ein Punkt für ihn.


Ihr seht: Zeichen setzen ist gar nicht so schwer! Ihr müsst euch nicht an viele Regeln halten. Aber die, die es gibt, müssen befolgt werden. Jetzt wünsche ich euch noch viel Spaß beim Schreiben und hoffe, wir lesen uns morgen wieder.

Bis bald! Eure Nina